Am 29. Januar 2026 fand an der Universität zu Köln eine Veranstaltung zum Gedenken an den am 15. Februar 2025 verstorbenen Gerhart Baum, Bundesinnenminister a.D. und Ehrendoktor der juristischen Fakultät der Universität zu Köln, statt.
Den ersten Teil der Veranstaltung bildete ein Kolloquium zum Thema „Liberale Demokratie 2030. Das Erbe von Gerhart Baum“ mit einem medien- und einem menschenrechtspolitischen Panel in der Lorenz-Wielenga-Bibliothek der Akademie für europäischen Menschenrechtsschutz.
Eröffnet wurde das wissenschaftliche Symposium durch Christian Rolfs, Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin a.D. und Weggefährtin von Gerhart Baum. Zudem wurde ein virtuelles Grußwort von Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europangelegenheiten, Internationales sowie Medien und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, eingespielt.
Die Panels wurden jeweils durch eine Lesung von Auszügen aus Gerhart Baums letztem Werk „Besinnt Euch!“ eingeleitet. Die erste von Max Reiter verlesene Passage betonte die Notwendigkeit der Vielfalt der Presse und von Qualitätsmedien zur Wahrnehmung der in einer Demokratie wichtigen Kontrollfunktion der Medien.
Panel 1: „Medien und Demokratie“
Helene Bubrowski, Journalistin (Moderation)
Martin Andree, Medienwissenschaftler und Autor
Christian von Coelln, Inhaber des Lehrstuhls für Staats- und Verwaltungsrecht sowie Wissenschaftsrecht und Medienrecht an der Universität zu Köln
Kathrin Röggla, Schriftstellerin
Roger de Weck, ehemaliger Chefredakteur der ZEIT und Publizist
In dem ersten Panel wurden unter dem Oberbegriff „Medien und Demokratie“ unter anderem Gefahren für die Medienfreiheit, die Staatsferne der Medien und die Notwendigkeit der Sicherung eines unabhängigen Qualitätsjournalismus behandelt. Die Moderatorin Helene Bubrowski identifizierte als künftig anzugehende Thematiken die Bereiche Regulatorik und Haftungsfragen, ein bei den Leser*innen erfolgender Mentalitätswechsel sowie die Verantwortung der Medienschaffenden selbst. In einer engagierten Diskussion mit dem Publikum wurden abschließend insbesondere die Frage nach einer Vertrauenskrise der Medien sowie Ansätze, wie das Vertrauen der Bürger*innen in die Medien wieder gestärkt werden könnte, erörtert.
Panel 2: „Menschenrechtspolitik und demokratische Verantwortung“
Isabel Schayani, Journalistin (Moderation)
Franziska Brandmann, Politikerin und Unternehmerin
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin a.D.
Angelika Nußberger, Direktorin der Akademie für europäischen Menschenrechtsschutz der Universität zu Köln und ehemalige Vizepräsidentin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
Irina Scherbakowa, Historikerin, Autorin und Gründungsmitglied der Menschenrechtsorganisation Memorial, die 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde
Im Rahmen des zweiten Panels beleuchteten die Teilnehmerinnen Veränderungen in Menschenrechtsinstitutionen, die Aufgabe und Durchsetzung von Menschenrechten sowie die Grenzen dessen, was Menschenrechte erreichen können und welcher Preis bisweilen für ihre Durchsetzung zu zahlen sei. Abschließend diskutierten die Panelteilnehmerinnen gemeinsam mit dem Publikum, was jede und jeder einzelne tun könne, um die Menschenrechte zu stärken. Notwendig sei es, keine Gleichgültigkeit gegenüber der aktuellen Menschenrechtspolitik zu zeigen und sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten einzubringen. Irina Scherbakowa betonte, dass es wichtig sei, konkrete Aufgaben für sich selbst zu finden. Als aktuelles Beispiel benannte sie die Möglichkeit, Gelder zu gerieren und hiervon Stromgeneratoren für die Ukraine zu kaufen. Angelika Nußberger stellte dar, dass auch Kultur und Literatur das Bewusstsein für die aktuelle menschenrechtspolitische Lage schärfen und somit einen Beitrag leisten könnten.
Am Abend fand eine Festveranstaltung in der Aula des Hauptgebäudes der Universität zu Köln statt. Die international anerkannte Blockflötistin Dorothee Oberlinger, die jüngst mit dem Großen Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland ausgezeichnet wurde, begeisterte das Publikum mit der Darbietung eines musikalischen Blumenstraußes für Gerhart Baum. Im Anschluss hieran hielt Jean Asselborn, langjähriger luxemburgischer Außenminister a.D., einen Festvortrag. Er ging zunächst darauf ein, dass der 1932 in Dresden geborene Gerhart Baum im Zweiten Weltkrieg die Bombardierung der Stadt erlebt habe und warf die Frage auf, ob ein Mensch Barbarisches erlebt haben müsse, um den Wert der Demokratie zu schätzen zu wissen. Jean Asselborn erläuterte ferner, dass ihn und Gerhart Baum der Glaube an ein gemeinsames und vereintes Europa eine und betonte die Wichtigkeit, den europäischen Gedanken – gerade angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage – fortzuführen und zu vertiefen.
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